Samstag, 2. Juni 2007

02.06.2007

Dere,

heute werd ich nichts von mir persönlich preisgeben, sondern will eine Kollumne "abdrucken", die ich gerade in der SZ gelesen habe. Ich hab mich fast nicht mehr halten können vor lachen.

Also bitte:

Schweinshaxn mit Pulverknödel

Bier fällt in Bayern unter das Lebensmittelgesetz und deshalb stand das flüssige Brot immer unter dem Schutz des Staates, war aber auch vom Volk streng beäugt. Doch nur das Augustiner-Bräu blieb als einzige Großbrauerei Münchens vom Verkauf verschont, weil die Eigentümer rechtzeitig eine Stiftung gegründet hatten, welche jeder Zockerei Einhalt gebot. All die anderen wurden Opfer von Bierheuschrecken, und der Betriebsstoff, der die »Felix Bavaria« zusammenhielt, wurde ins Ausland verhökert. Löwenbräu, Spaten, Paulaner – alles verscherbelt.

Irgendwie hat das alles eine Dimension, als hätte der Papst den Petersdom an Coca-Cola verleast und die Schweizergarde als Payback dazu. Begann der Abstieg Bayerns schon mit Franz Josef Strauß, der nach Afrika reiste, um »dene da druntn democracy« vorzuführen, oder erkundigte man sich damals nur, wie Korruption funktioniert? Hatte er Siemens-Manager im Gepäck?

München, die Kapitale des Amigolands, gilt ja als italienischste Stadt der Republik, aber dass der Freistaat irgendwann mal in die sozial wackelige Nähe Siziliens rücken würde, hätte man sich nicht träumen lassen. Na ja, der Vergleich hinkt, in Bayern ist die Lage verzweifelter: Stoiber wird an Peinlichkeiten nur noch vom württembergischen Oettl übertroffen und die Weltmeisterschaft im Jodeln hat ein Japaner gewonnen. Wer nun glaubt, dass die letzten sicheren Orte des Freistaats, nämlich die Wirtshäuser, doch bittschön immer noch eine Institution darstellen, der wird langsam auch kleinlaut. Herzhafte Weißwürscht, Fleischpflanzl, Schweinshaxn, Bayerisch Kraut und Knödel waren ehemals wunderbare Tranquilizer, welche Bayern trotz allem lebenswert machten. Inzwischen braucht es einen ignoranten Magen – man kann sich allenfalls am Sättigungsgefühl erfreuen. Die wunderbare bayerische Küche wird nach und nach an den Billigtourismus drangegeben. Die Knödel werden mit Pulver angerührt, die Weißwürste am besten gleich über den Antiquitätenhandel oder als Gefahrgut abgewickelt. Jedes Land macht sich seine eigenen Falsifikate. Die Baden-Württemberger verkleistern sich gern mit viel Pappsauce, deshalb gibt es dort die Firmen Knorr und Maggi. In Bayern werden Knödel produziert, die eigentlich unter das Waffengesetz fallen müssten.

Mit Regionalküche wird ja nicht nur im Freistaat angegeben. In der ganzen Bundesrepublik sind die überlieferten Rezepte ein Fall für die Denkmalpflege. Die Adressen guter Gasthäuser werden nur noch an Eingeweihte weitergeraunt, jedenfalls nur an solche Leute, denen gutes Essen ein wirkliches Anliegen ist. Der Mehrheit in Deutschland ist Essen sowieso scheißegal. Bayern hat eine große Chance. Da der gstandene Krachlederne ein Mensch ist mit Ehre im Leib und auch nicht so blöd wie manchmal verunglimpft, könnte er, statt traurig am Boden zu liegen und nach Schadenersatz zu schreien, sich einfach aufrappeln: Für ein paar Euro mehr besser zu kochen, das müsste doch möglich sein. Und es wäre auch nicht das erste Mal für die Bayern, »dass mas dene andern zoagt«. Und jedem Depri-Bajuwaren, der sich mal wieder über Bayern freuen, einmal wieder mit Grund und Substanz im Rücken herzhaft »mir san mir« brüllen will, dem rate ich zum Easyjet-Ausflug nach Berlin. Dort kann jeder sehen, was unten sein wirklich bedeutet.

Vincent Klink

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